Vortrag
von Friedrich Schroeder, Ramsbeck, als Leiter des Redaktionsteams
bei der Vorstellung des Jahrbuches 2012 des Heimtbundes der Gemeinde Bestwig
am 07.11.2012
 

 

Meine Damen und Herrn!

 

Das Neueste gleich vorweg: Die Bilder in unserm neuen Jahrbuch sind nun farbig, und das in Spitzenqualität; auch der Drucksatz hat sich noch weiter verbessert. Die Herstellungskosten haben sich dadurch erhöht; die Redaktion ist aber davon überzeugt, dass bei einem solchen Angebot der Absatz gesteigert werden kann, trotz eines leichten Preisanstiegs auf 9 Euro pro Buch.

 

Dieses verbesserte Design entspricht der Qualität aller Beiträge, die Sie im neuen Jahrbuch finden können. Eindrucksvoll die ausgiebigen  Fotoimpressionen von Engelbert Prein und seiner Tochter Anne-Karen Humpert zur 950-Jahrfeier in Berlar. Nicht nur, dass so unerwartet viele Gäste und Zuschauer in dem kleinen Dörfchen präsent waren, die Bilder zeugen auch von dem Einfallsreichtum, der sich in einem farbenfrohen Festzug zur Schau stellte: Strahlender Sonnenschein, lachende Kinder und heitere Gesichter. Im ganzen eine Gemeinschaftsleistung, die beeindruckend ist; von Verödung des ländlichen Raumes keine Spur.

 

Ebenso auch der neue Bergbauwanderweg in Ramsbeck. Ohne den tatkräftigen Einsatz vieler Helfer, ohne die Bemühungen, um die Geschichte des Ramsbecker Bergbaus neu zu präsentieren, wäre dieses Werk nicht gelungen. Es mangelt nicht an Initiativen, auch in anderen Dörfern nicht. Gleichwohl sind leer stehende Häuser und verhängte Schaufenster nicht zu übersehen, aber es gibt eben auch Hoffnungszeichen. Die Dörfer entdecken ihre besondere Eigenart und öffnen sich, laden ein zu vielen neuen Erfahrungen und Erlebnissen. Ercan Aydin, ein Ramsbecker mit türkischem Migrationshintergrund, wie man heute sagt, spricht aus eigener Lebenserfahrung, wenn er die Vorzüge des Dorfes insbesondere für seine heranwachsenden Kinder hervorhebt: der gute Kontakt zu deutschen und türkischen Mitbürgern, das günstige Sprachmilieu, die guten Deutschkenntnisse seiner Kinder, eine gediegene Schulbildung. Sein Fazit: „Die Integration gelang reibungslos und ergab sich gewissermaßen von selbst.“

 

Die Sichtweise auf unsere Dörfer, wie sie in alten Lithografien greifbar wird, präsentiert ein interessanter Beitrag von Rita Römer. Es handelt sich dabei um eine besondere Reproduktionstechnik alter Orts- und Landschaftsbilder auf Postkarten. Stilisierte, idyllische Ortskerne; besondere Gebäude werden hervorgehoben, teils kolorierte Darstellungen von Dörfern, die sich bruchlos in eine weite sauerländische Landschaft mit großzügigen Wiesen- und Waldflächen einfügen. Fröhliche Bestwiger Dienstmädchen zu Kaisers Zeiten in weißen Schürzen, die die Wäsche durch das klare Wasser der Valme ziehen. Das alles in einer Art Kollage-Technik, die uns idealisierte Bilder vermittelt. In stilisierter Schrift werden uns in solchem Kontext z. B. „Grüsse aus der Sommerfrische Ostwig“ mitgeteilt.

 

Auch Bäume können Erinnerungen wachrufen. In Velmede wurde 1871 eine Eiche gepflanzt, die an die gefallenen Soldaten in den Kriegen 1864, 1866 und 1870/71 erinnern soll. Eine Friedenseiche, die ihre eigene Geschichte hat; die Pius-Eiche, die die Zeit des Kulturkampfes wach halten sollte. Aber auch persönliche Erinnerungen an den 2. Weltkrieg, wie er im Elpetal erlebt wurde, zeigen, wie sich das Leben auch hier völlig veränderte durch tägliche Mühsal und Brutalitäten. Durch die betont persönliche Sichtweise werden solche Erlebnisse zu Zeugnissen der Zeit, die für die älteren Generationen prägend waren.

 

Dass es in Nuttlar Schieferbergbau gab, ist allseits bekannt. Dass hier aber auch Antimon abgebaut wurde, dürften vielleicht die meisten von uns nicht gewusst haben. Antimon, so wird uns in einem interessanten Beitrag von Anton Wegener und Werner Hohmann erklärt, zählt zu den „seltenen Erden“. Es ist ein weißes sprödes Metall und kann deswegen nicht gehämmert oder gewalzt werden. In Verbindung mit anderen Elementen wie Eisen, Zinn oder Blei führt es aber zur Härtung der jeweiligen Legierung. Aus Antimon-Legierungen wurden Drucklettern oder Nadeln hergestellt. Der Altenaer Bürgermeister und Fabrikant Johann Caspar Rumpe besaß ein Antimon-Bergwerk in Arnsberg-Uentrop und kaufte 1824 die Antimon-Grube „Passauf“ in Nuttlar. Der Beitrag erzählt die weitere Entwicklung des Abbaus und der Verarbeitung des Metalls. Eine besonders interessante und aufschlussreiche Lektüre, der ich nichts weiter vorwegnehmen will.

 

In einem profunden Beitrag wird ein Kapitel des Hauses Ostwig aufgeschlagen, das bislang so nicht bekannt war oder erforscht wurde. Der Obereigentümer des Gutes Ostwig war das Stift Meschede. Vasallen waren zu Beginn die Rumps zu Ostwig, die dem Propst des Stiftes Meschede den Lehenseid leisten mussten. Da im Spätmittelalter die Lehen vielfach erblich wurden, konnten die Lehensträger ihren Besitz verpachten, erneut belehnen oder auch verkaufen. Letzteres passiert zwischen den Jahren 1519 und 1533. Es kam zunächst an den Bürgermeister Volmars zu Meschede, dann an Johann Gödde. Dessen blutsverwandter Erbe Markus in dem Winkel zu Attendorn verkaufte 1539 das Gut an Johann von Hanxleden zu Anröchte, 1544 auch den dazu gehörigen Besitz. Die bürgerliche Phase in der Geschichte des Hauses dauerte also etwa von 1520 bis 1539. Dies alles erarbeitet Christian Gödde durch eine gründliche Quelleninterpretation; die Beweisführung ist akribisch und verrät den kompetenten Historiker.

 

Näher an unserer Gegenwart liegt die Geschichte des Haltepunktes bzw. Bahnhofs Nuttlar. In einer anschaulichen Darstellung wird uns die 75 Jahre währende Geschichte des Bahnhofs erzählt; beginnend mit einem Provisorium im Gasthof der Philippine Sauerwald (Mutter Pine) bis zum 31. Mai 1969, dem letzten großen Halt, das in Nuttlar als trauriger Tag erlebt und begangen wurde. Diese Darstellung stimmt nachdenklich. Was geschildert wird, ist die zunehmende Mobilität am Beginn des 20. Jahrhunderts, die einem Dorf wie Nuttlar große Vorteile brachte, nicht nur, dass man relativ bequem verreisen konnte. Die Anbindung an die Bahnlinie diente vor allem auch der aufstrebenden Industrie, z.B. dem Schieferbergbau, der Firma Sauerwald und der Firma Heinrich und Franz Schneider, die Hefe und Spirituosen herstellte. Es war eigentlich das produzierende Gewerbe am Ort, das den Menschen Arbeit und Brot gab. Im Zuge moderner Zentralisierung sind viele Betriebe aus den Dörfern verschwunden. Eigentlich ist man nach solchen Einbrüchen bis heute dabei, die Dörfer attraktiv zu machen und sie als guten Lebensraum zu erhalten. Auch darüber gibt dieses Jahrbuch Auskunft.

 

Vielfältig sind die Themen und Perspektiven, die unserer Region Farbe und Profil geben. Heiteres wie immer am Schluss im Jahresrückblick von Spottlachs Paul.

 

Ich danke im Namen der Redaktion allen Mitarbeitern an diesem Jahrbuch für ihre durchweg gelungenen Beiträge.

 

Unsern Lesern und Ihnen allen wünsche ich eine unterhaltsame und anregende Lektüre.

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